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elche sind das neue sylt

Lammerts Beschwerden

Der neue alte Bundestagspräsident Norbert Lammert forderte schon einmal die Schaffung eines Parlamentskanals, rückte aber von dem Vorhaben ab, nachdem ARD und ZDF zusicherten, in ihrem gemeinsamen Kanal Phoenix mehr Bundestagsdebatten zu bringen.

Nun kritisierte er ARD und ZDF für ihr Nichtsenden der konstituierenden Sitzung des neuen Bundestages.

Meine lieben Kolleginnen und Kollegen, nach manchen Beschwerden, Debatten, Verhandlungen in der letzten Legislaturperiode möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, dass eine Übertragung der Konstituierung dieses Deutschen Bundestages im Hauptprogramm der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten nicht stattfindet. Im Mittelpunkt des Vormittagsprogramms der Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkanstalten Deutschlands steht heute Morgen die TV-Komödie Schaumküsse.

(Lachen)

Das Zweite Deutsche Fernsehen bringt statt einer Übertragung dieser Sitzung die 158. Folge der Serie Alisa – Folge deinem Herzen,

(Lachen)

gefolgt vom 36. Kapitel der Serie Bianca – Wege zum Glück.

(Lachen)

Liebe Kolleginnen und Kollegen, auch ich folge meinem Herzen und nenne diese Programmentscheidung ganz vorsichtig im wörtlichen Sinne bemerkenswert.

(Auszug aus dem vorläufigen Protokoll der Sitzung)

Dabei übertrug doch der Gemeinschaftssender Phoenix sehr wohl das vierstündige Demokratieevent aus dem Reichstagsgebäude, das sich vor Alisa und Bianca im Unterhaltungswert sicher nicht verstecken musste.

Aus irgendeiner Laune heraus schaltete ich mich gestern (allerdings über den bundestagseigenen Livestream) in die Veranstaltung. Zu dem Zeitpunkt war Lammert noch nicht gewählt, aber der Wahlvorgang wurde bereits in Angriff genommen. Weil das alles eine hochoffizielle Sache ist, die man nicht mal eben Fingerheben abhandeln kann, wurden zunächst die Spielregeln Wahlvorschriften vom Alterspräsident Riesenhuber (der mit der lustigen Fliege) verlesen:

Die Wahl findet mit versteckten Stimmkarten – –

(Heiterkeit und Beifall im ganzen Hause)

– Ich bitte um Nachsicht. Ich habe Ihnen gleich gesagt, dass ich im Ablesen nicht gut bin. Jeder muss mit seinen Handicaps leben.

Und nach der Stimmabgabe fragte Riesenhuber:

Darf ich fragen, ob noch irgendjemand seinen Stimmzettel abgeben möchte? Hatte jeder dazu Gelegenheit? – Herr Kollege Westerwelle, ohne Ihre Stimme wären wir in Schwierigkeiten geraten. – Da ist noch eine Stimme. – Ich frage noch einmal, ob noch eine Stimme abgegeben werden soll? – Das ist nicht der Fall.

Ja, witzige Volksvertreter in der Volksvertretung, aber die Pointendichte war überschaubar. Zwischen den beiden genannten lag die Stimmabgabe bei gleichzeitiger Aufrufung aller 622 Abgeordneten, von Ackermann, Jens bis Zypries, Brigitte. Und das dauert. Genug Zeit, um die Liveübertragung wieder zu verlassen, meine Liebe zur Demokratie in allen Ehren.

ARD und ZDF tun gut daran, solche Sitzungen aufbereitet in ihren Nachrichtensendungen zu zeigen und zu kommentieren. Der Chefredakteur der Tagesschau, Dr. Kai Gniffke antwortete auf Lammerts Beschwerde, dass jeder, der Bundestag sehen wolle, die Übertragung bei Phoenix finde.

Das könnte man so stehen lassen, bleibt aber die Frage nach der Rechtfertigung der Öffentlich-Rechtlichen für ihre regelmäßige Parallelübertragung royaler Festivitäten aus den Königshäusern dieses Kontinents? Wer das nicht sehen will, der findet dann nichts anderes. Und das ist in der Tat bemerkenswert, meine Liebe zur Monarchie in allen… äh, Moment mal…

 

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