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elche sind das neue sylt

Vornamen und ihre Artikel

Treffen sich Menschen aus unterschiedlichen Ecken der Republik, kreiden sich in der Regel alle nach einer gewissen Zeit sprachliche Besonderheiten als überhaupt nicht hochdeutsch an. Ausdrücke und Konstellationen, die man bisher für selbstverständlich hielt, erzeugen beim anders Deutsch sprechenden Gesprächspartner meist Reaktionen irgendwo zwischen Gelächter und völliger Ratlosigkeit. Übliche Gesprächskatalysatoren sind die Fragen nach den Wörtern für das Endstück des Brotes oder den Apfelrest (der einzig korrekte Ausdruck hierfür ist natürlich Apfelgrips).

Gerade fand ich einen Zwiebelfischbeitrag zu einer Problematik, die mir vor meinem Umzug von Nordhessen nach Bremen nicht als solche bekannt war:

Irgendwo zwischen Nord und Süd verläuft eine unsichtbare Grenze, eine Art Äquator, der die deutsche Sprachlandschaft in zwei Hälften teilt: in eine bestimmte und in eine unbestimmte Vornamenszone. Im nördlichen Teil der Republik ist es nicht üblich, Eigennamen einen Artikel voranzustellen. Manch einer ist in dieser Frage sehr streng erzogen worden. „Bei uns hieß es früher: Die steht im Stall und du stehst daneben“, schrieb mir ein Leser. Er hatte gelernt, dass ausschließlich Tiere mit einem Artikel vor dem Namen genannt wurden: Wenn die Lotte und die Rosie Durchfall hatten, musste der Veterinär kommen, denn dann waren die Kühe krank. Demzufolge galt es als herabwürdigend, einen Menschen mit einem Artikel zu belegen.

Nordhessen liegt übrigens unterhalb dieses Äquators.

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