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elche sind das neue sylt

Goldige Komasäufer

Löblich eigentlich, dass sich Menschen in verantwortungsvollen Positionen dem Themas des übermäßigen Alkoholkonsums Jugendlicher annehmen. Unter der Schirmherrschaft der Bundesdrogenbeauftragten Sabine Bätzing (SPD) startete bereits letzten Dezember die Kampagne mit dem schönen Slogan „Don’t drink too much – Stay Gold„. Schade eigentlich, dass Menschen in verantwortungsvollen Positionen auf dem Weg zum „Gut“ meist beim „Gut gemeint“ hängen bleiben.

Kein offizielles Kampagnenfoto (Foto: Wikimedia Commons)

Initiator der Kampagne ist die Bundesinnenministerkonferenz. Als Ziel hat man sich die Bekämpfung des „Komasaufens“ auf die Fahnen geschrieben. Ein ohne Zweifel wichtiges Thema, auch wenn das Schlagwort Komasaufen ähnlich objektiv daher kommt, wie Kollege Killerspiel. Aber für die mediale Aufmerksamkeit wäre wohl ein simples „Rauschtrinken“ zu wenig des Schlechten.

Die Kampagne richtet sich laut eigener Angaben an 17- bis 19-Jährige. Und um die am besten zu erreichen, so anscheinend der ja nicht ganz falsche Gedanke, soll man die potentiellen Komasäufer in „ihrer“ Sprache ansprechen. Oder besser: Was man in Kreisen von Bundesdrogenbeauftragten, Innenministern und Landespolizeipräsidenten dafür hält. „Komasaufen ist Trend: no fun …“ stellt die Homepage der Initiative in cooler Jugendsprache fest. Um die Kampagneneigenen Wallpaper anzupreisen, erklärt man  „Einfach die optimale Auflösung auswählen und runterladen – cooler Screen“. Und damit der interessierte Jugendliche auch versteht, wie denn mit diesem Alkohol umzugehen ist, empfielt die Seite „Etwas trinken ist okay – zu viel trinken ist absolut uncool“.

Nun ist ja so, dass ich der Zielgruppe dieser Kampagne bereits einige Jahre entwachsen bin, trotzdem erscheint mir diese Art und Weise der Anrede in seiner fies anbiedernden Art völlig Banane. Man hat den Texter förmlich vor Augen: „Ich hab ’ne tolle Idee. Damit diese jungen Leute auch verstehen, was wir meinen, hängen wir immer noch ein bis zwei Wörter auf Englisch hintendran.“ Mal abgesehen davon, dass „no fun“ an der Stelle irgendwie falsch wirkt und ein „cooler Screen“ den ganzen Satz ins Lächerliche zieht, aber wer sagt heute eigentlich noch „uncool“ (nichts für ungut…)? In den Spots selbst wird die Botschaft dann allerdings doch sehr platt mit erhobenem Zeigefinger vermittelt. Und auch die Botschafter, mehr oder weniger prominente Sportler, tragen ihre Texte zum Teil aus einer elitären Perspektive vor. Was ist eigentlich, wenn ich kein Profisportler werden möchte?

Man mag es zwar glauben, wenn Per Mertesacker hölzern versichtert, dass er „überhaupt nichts“ mit Alkohol anfangen konnte, dass er aber im selben Clip vor Stadionbanden jubelt, die für ein großes deutsches Brauhaus werben, erzeugt einen ironischen Unterton und weckt Erinnerungen. War da nicht was? Ach ja…

Und überhaupt, dieser Slogan. „Don’t drink too much“. Trink nicht zuviel. Ja Mama. Immerhin weit ausdehnbar in seiner Interpretation: Trink nicht zuuu viel. Bis kurz vor dem Kotzen. Aber warum ist der Slogan eigentlich englisch? Achja, Jugendsprache. Und „Stay Gold“? Beck’s Gold? Tequila Gold? Danziger Goldwasser?

Natürlich ist es richtig und wichtig, sich dieser Problematik anzunehmen. Bei Jugendlichen, die sich regelmäßig der Wodka-Energy-Druckbetankung hingeben, muss sicherlich Aufklärungsarbeit geleistet werden. Leider scheitert die Kampagne an diesem Ziel, indem sie sich im Widerspruch zwischen schlechten Imitationen jugendlicher Sprache und den plakativen Fingerzeigen altkluger Ratschläge verheddert.

Sabine Bätzing war übrigens vergangenen Mittwoch in der Sendung „Hart aber Fair“ zu Gast (hier zum Anschauen), in der es auch um Alkoholmissbrauch von Jugendlichen ging. Politiktalkshows halte ich leider ohne Alkohol meist nicht durch. Dabei würde mich wirklich mal interessieren, was genau Big-Brother-Jürgen als Gast qualifizierte.

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Einsortiert unter:Das Politische

One Response

  1. MrMo sagt:

    hehe, die Anfänge eines neuen Blogs;)

    gerade gester mit Tobi drüber gereded, der meinte, dass auch ein Blick auf Statistiken AlkoholStraftaten sehr interessant sein.
    Naja, aber is eben gesellschaftlich feinst annerkannt, btw. schade, dass du heute abend nicht da bist, gibt lecker Bier und Wein und Essen ;)
    prost! *hust*

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